ARTIKEL IN DER TAGESZEITUNG: »Die Südtirol-Währung«

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Zu diesem Artikel, der auch unter Facebook gepostet wurde, formulierte eine Leserin einen Kommentar, worauf wir dort (unter Facebook) bereits geantwortet haben. Da wir den dort veröffentlichten Einwand als wichtig ansehen, wollen wir auch hier noch einmal dazu Stellung nehmen:


Komentar auf Facebook:


A.E.

Anfz_1 Das Regiogeld kann unterschiedlichste Formen annehmen: idealerweise in elektronischer Form (als regionale Prepaid-Karte oder mittels Gesundheitskarte), … Damit könnte auch eine Hortung des Regiogeldes ausgeschlossen werden, weil der Kontostand der Prepaid-Karte am Monatsende jeweils „auf Null“ gesetzt werden könnte. …“

Der sehr lobenswerte Ansatz und Einstiege wird bereits im gleichen Artikel zerstört. Wer möchte schon eine Karte, die am Monatsende auf Null gesetzt wird??? Das ist Vernichtung von hart erarbeiteter Kaufkraft.

Warum baut Paul Köllensperger eine derartige Schwachstelle in die tolle Ausgangsidee ein? Human Economy, hat doch eine weit bessere Idee im Portfolio.

Die hier dargestellte Regiowährung ist nach wie vor an die Hauptwährung EURO gekoppelt, bleibt ein Tauschmittel OHNE Zinsertrag, und am Monatsende wird der durch Arbeit erhaltene Lohn einfach GESTRICHEN.

Das ist die perfekte Vorwegnahme des heutigen Kreditgeldsystems nach der Abschaffung des Bargeldes. Damit wird das Problem der Umverteilung nicht im Ansatz gelöst. Diese Idee zieht sogar gerade denen das Geld aus der Tasche, die bereits durch die Umverteilung zu den Verlierern zählen.

Liebes Human Economy, wie ich lesen konnte habt ihr hierbei tatkräftig mitgewirkt. Bis heute dachte ich, Ihr hättet das Geldsystem verstanden und hier würden wirkliche Alternativen diskutierAnfz_2t.

Ist das wirklich Euer Ernst ?


Antwort auf den Kommentar:


„Geschätzte/r Leser/in, …

… wir danken für Ihren kritischen Beitrag zu unserem Post.

Als Initiativgruppe HumanEconomy untersuchen wir genau die Zusammenhänge zwischen dem verzinsten Schuld-Geld und den Krebsgeschwüren unseres Alltags: Konkurrenz- und Wachstumszwang, Vermögensumverteilung, Finanzdiktatur der internationalen Großbanken, Entmachtung der staatlichen Zentralbanken, geostrategische Kontrolle von Ressourcen und Staaten durch Hochfinanz und Großkonzerne, Umweltzerstörung, Raubbau an Ressourcen, militärische Konflikte, u.s.w.

Wir leisten Aufklärung …

… durch Vorträge, Kongresse, Publikationen und Aktionen. Wir intervenieren regelmäßig auch dort, wo diese Missstände ihren Ursprung nehmen: bei den internationalen Großbanken. Gemeinsam mit Rechtsanwälten und Gerichtsgutachtern prangern wir bei den Aktionärsversammlungen dieser Banken (UniCredit, Intesa SanPaolo, UBI, UBS, DeutscheBank) und namhafter Konzerne (Eni, Leonardo, etc.) die Dynamiken des Schuld-Geldes an.

Parallel dazu arbeiten wir auf institutioneller Ebene. Wir treffen uns zum Thema mit Parlamentariern in Rom und tauschen uns mit aufgeschlossenen Politikern und Funktionären unseres Landes (Landtagsabgeordnete, Bürgermeister, Verbands- und Genossenschaftsvertreter, etc.) aus.

Kurzum, wer unsere Homepage und Facebook-Seite durchstöbert bekommt einen guten Überblick über unsere Zielsetzungen, unsere Arbeit und die bisher eingefahrenen Resultate.

Unsere Vision…

… ist die Erschaffung einer Welt in der Tausch und Geld an sich überwunden wird. Wir programmieren eine intelligente Gesellschaft, in der die Menschen auf natürliche Weise kooperieren. Auf der Grundlage von ökoeffektiven Kreisläufen sollen die Menschen gemeinsam jene Realwerte und Dienstleistungen herstellen, die sie benötigen um sich bestens zu versorgen und ein freies, glückliches und kreatives Leben zu führen.

Dabei können auch modernste Technik angewendet werden und, wer will soll frei sein mehr zu leisten als nötig. Im Fokus steht jedoch immer der kollektive, gemeinschaftsstiftende, ganzheitliche Sinn des Wirtschaftens und Kooperierens. In einer solchen Gesellschaft gibt es weder das „Gesetz“ von Angebot und Nachfrage (Tausch) noch eine systemische Vermögensumverteilung über den Zins und Zinseszins. Prof. Franz Hörmann erklärt diese Vision sehr plastisch in seinen Ausführungen über das „Informations-Geld“, welches als Brücke hin zu einem Ubuntu-System (Kooperation gänzlich ohne Verrechnung von Leistung) fungiert.

Im Informations-Geldsystem…

… hätte das Geld nur noch eine Monitoring-Funktion. Es dient dazu nachzuvollziehen, welche Werte in Form von Produkten und Dienstleistungen erzeugt werden und wie sie in der Gemeinschaft verteilt werden. Es geht also nie um Vermögensanhäufung durch die Akkumulation von Finanzmitteln sondern um die kollektive Deckung eines realwirtschaftlichen Bedarfs. Luxusgüter sind hierbei nicht ausgeschlossen, sofern sie nicht den Fortbestand von Naturressourcen beeinträchtigen.

Es stellt sich natürlich die Frage:

Wie setzen wir diese Vision heute in Anbetracht unserer systemischen Schuldgeld-Konditionierungen um?“ Hierfür haben wir einen Stufenplan ausgearbeitet, der wie folgt aussieht:

  1. Status quo: Verzinstes Schuldgeld
  2. Überführung des Schuldgeld-Systems in einen Vollgeldkreislauf (siehe z.B. www.vollgeldinitiative.ch)
  3. Informations-Geld: Überwindung von Tausch durch die Einführung von asymmetrischen Preisen bis hin zur kollektiven Grundversorgung
  4. Ubuntu: Welt ohne Geld, d.h. natürliche, ganzheitlich spirituell geleitete und sinnorientierte Form der Kooperation

Diese vorgenannten Entwicklungsschritte, vor allem das Vollgeld, sind für lokale, regionale Gemeinschaften aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen derzeit nicht umsetzbar. Deshalb haben wir für die unmittelbare realwirtschaftliche Versorgung Südtirols einen regionalen Aktionsplan angedacht, wonach zwei komplementäre Währungskreisläufe eingeführt werden sollen (solange die rechtlichen Vorgaben keine Alternativen zulassen):

  1. lokales, komplementäres Gutscheinsystem
  2. Kreditkompensationssystem für Unternehmen

Diese Modelle sind sofort umsetzbar und verstoßen nicht gegen rechtliche wie fiskalpolitische Normen.

Wir gehen nun auf Ihren konkreten Kommentar ein.

Wie das Gutscheinsystem im Detail aussehen und welche Mechanismen darin eingebaut werden sollen um beispielsweise den Umlauf des komplementären Zahlungsmittels zu gewährleisten wird im Konsens mit den Sozialpartnern entschieden werden. Wenn die Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung zur neuen Verrechnungseinheit gut ist und das neue Tauschmittel allgemein angenommen wird, braucht es keine Umlaufsicherung. Ist dies nicht der Fall, kann eine prozentuelle Umlaufsicherung angedacht werden (siehe: Das Wunder von Wörgl [Tirol: 1932-1933]). In besonderen Momenten ist auch eine Löschung der Guthaben am Monatsende denkbar. Diese letztere Maßnahme finden wir allerdings nicht sinnvoll. Sie wurde von Paul Köllensperger und nicht von HumanEconomy in den Raum gestellt.

Grundsätzlich …

… bitten wir Sie – wie alle übrigen Leser und Leserinnen – bei der Erörterung von Details nicht gleich (mit teilweise polemischem Unterton) das ganze Konzept in Frage zu stellen. Wenn Details via Facebook diskutiert werden sollen, bitten wir um konstruktive Verbesserungsvorschläge. Davon abgesehen, haben Sie einen Presse-Artikel über einen Beschlussantrag des Landtagsabgeordneten Paul Köllensperger gelesen. Sie haben vermutlich nicht den gesamten Beschlussantrag selbst studiert.

Sollte dem Antrag stattgegeben werden wird ein Expertenteam zusammengestellt, welches sich um die detaillierte Ausarbeitung des komplementären Geldes für Südtirol kümmern wird.

Herzliche Grüße

Das Team von HumanEconomy“


Siehe auch:  Human Ecnomy in der Presse

2 Comments

  1. Was die Löschung der Guthaben am Monatsende anbelangt, ist dieser Passus im Antrag drinnen geblieben, weil er anfänglich mit dem Gedanken des bedingungslosen Grundeinkommens mittels Regiogeld geschrieben wurde. Dort macht es Sinn, das Horten zu vermeiden. Bei Sozialtransfers natürlich nicht. Der Satz gehörte also heraus. Es geht aber um ein Detail, und es würde mich freuen wenn die Diskussion in den Sozialen Medien sich nicht an diesen Kleinigkeiten festhakt, sondern über das Prinzip diskutieren würde.
    Paul Köllensperger

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